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27.07.09 |
Wagnis mitten in der Wirtschaftskrise

MEKRA Lang weihte einen Neubau ein - und muss im August Kurzarbeit anmelden

Das Wichtigste sind die Wege. Statt 1,2 Kilometer legt ein Spiegel von der Materialanlieferung bis zur Verpackung für den Versand nur noch 100 Meter zurück. Das spart Zeit und macht die Produktion von Auto- und Lkw-Spiegeln effektiver.

Was wenige wissen: MEKRA Lang ist Weltmarktführer und produziert jährlich acht Millionen Außenspiegel für Nutzfahrzeuge. Darunter allein 3,5 bis vier Millionen Pkw-Spiegel, die in Stadeln etwa für die C-Klasse von Mercedes und die 3er-Serie von BMW produziert werden. Den bei weitem größten Teil machen jedoch die Lkw-Spiegel aus, die am Standort Ergersheim bei Bad Windsheim mit Gehäuse zu kompletten Spiegelsystemen zusammengesetzt werden.

Dreh- und Angelpunkt der Produktion sind die Schneide- und Schleifmaschinen, die MEKRA Lang selbst entwickelt hat und wie einen Augapfel hütet. Ähnliches gilt für das Know-how der Mitarbeiter, die flache Scheiben im Biegeofen zu halbrunden Kalotten formen, und das Fingerspitzengefühl der Beschäftigten, die die fertigen Spiegel aus der angeritzten Form brechen.

"Es ist nicht selbstverständlich, in diesen Zeiten ein neues Gebäude zu bauen", sagte Firmenchef Hermann Lang. Es sei aber nötig gewesen, um die eigenen Wachstumsziele zu erreichen. Auch wenn die Wirtschaftskrise einen Wermutstropfen bringt: MEKRA Lang muss ab August in Kurzarbeit gehen, weil die Absatzflaute auf dem Automobilmarkt auf die Zulieferer durchschlägt. "Wir bleiben optimistisch, es kommen auch wieder bessere Zeiten", sagte Lang.

Solchen "Mut, Entschlossenheit und Weitsicht", lobte dann auch Oberbürgermeister Thomas Jung in hohen Tönen. Gerade nach seinen Erfahrungen bei den Quelle-Verhandlungen sei die Einweihung bei MEKRA ein "wunderschöner Termin". Er zeige, dass in Fürth die Wirtschaftskraft sehr stark durch Familienunternehmen geprägt sei, die für Generationen planen und denken können.

So ist es: Das 1932 von Hans und Frieda Lang gegründete Unternehmen liegt heute komplett in der Hand der Enkel. Hermann Lang (37) trägt die Gesamtverantwortung für die Gruppe, die 250 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaftet und mit 15 Standorten in zehn Ländern vertreten ist. Er ist auch für Finanzen, Controlling und das Auslandsgeschäft zuständig. Sein Bruder Michael (35) ist für die Technik und Glasproduktion verantwortlich. Cousine Susanne Lang (37) leitet die Produktion in Ergersheim, außerdem gehören Personal und IT in ihren Bereich. Ihr Mann Werner Lang (41) betreut Entwicklung, Einkauf und Vertrieb. Und dann gibt es noch Cousine Sabine, die in der USA lebt und das dortige Geschäft mit 40 Millionen Euro Jahresumsatz managt.

Natürlich, sagt Hermann Lang, seien die Enkel trotz klarer Aufgabenteilung nicht immer einer Meinung. "Aber wenn es um die Sache geht, halten wir zusammen." Auch Senior-Geschäftsführer Heinrich Lang, der das Unternehmen mit seinem schon verstorbenen Bruder Günter, dem Vater von Hermann Lang, von 1960 an führte, ist mit 73 Jahren noch täglich im Betrieb. Nicht mehr so aktiv wie zu früheren Zeiten natürlich. Er gönnt sich jetzt eine Stunde Mittagspause.